Ein Erfahrungsbericht

Bio ist gefragter denn je. Doch was, wenn das Geld knapp ist? Ist Naturkost dann unerschwinglich?

Rosa Wolff, seit vielen Jahren Food-Journalistin, Kochbuchautorin und Restaurant-Testerin (und im Moment selbst knapp bei Kasse), hat es ausprobiert und einen Monat lang versucht, sich von 4,35 Euro am Tag ausschließlich mit Bio-Lebensmitteln zu ernähren.

4,35 Euro am Tag – das war zum Zeitpunkt des Experiments der Betrag, der alleinstehenden Hartz-IV-Empfängern für die tägliche Ernährung zugebilligt wurde. Inzwischen gab es eine Erhöhung von 10 Euro im Monat.

Das Buch enthält den ausführlichen Erfahrungsbericht sowie 45 Rezepte, dazu Info-Seiten, z.B. »Die besten günstigen Lebensmittel«, »Verbände und Siegel – die Bio-Klassengesellschaft«, und Tipps, z.B. »Das Nötigste für Ihre Küche« oder »Bloß nichts verkommen lassen«.

Und: Wer »Bio« kauft, tut nicht nur sich selbst was Gutes, sondern betreibt aktiven Umwelt- und Klimaschutz.
Für mich ist Bio persönlicher Genuss und gesellschaftliche Notwendigkeit zugleich: Das beste Essen für mich ist auch das schonendste für die Natur – wie gut sich das trifft!


U1fuerWeb

“Arm aber Bio!” kann hier zum Preis von 11,95 Euro bestellt werden.

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12 Kommentare zu „Ein Erfahrungsbericht“

  1. admin sagt:

    Lieber Stefan,
    erst mal vielen Dank für die eingehende und detaillierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Was die Überschreitung des Regelsatzes um durchschnittlich 17 Cent am Tag betrifft, darf ich (zu meiner Ehrenrettung?) auf die grandiose Erhöhung um 8 Euro ab Juni 2009 hinweisen, mit der dieses Minus von 5,10 Euro wieder eingeholt ist. Aber im Ernst: Wie Sie als Leser des Buchs wissen, will ich keineswegs beweisen, dass es sich mit H4 komfortabel leben lässt. Dass das nicht der Fall ist, war mir vorher klar, und es ist mir im Laufe der Wochen erst recht schmerzlich klar geworden.
    Trotzdem: H4 ist Realität – ich persönlich stand durch den Verlust von Auftraggebern knapp davor – und ich finde, dass man da schon zweigleisig fahren muss: einerseits sich dafür einsetzen, auch politisch, dass die Realität sich ändert. Andererseits das Beste aus der Situation machen.
    Für mich persönlich ist das Ergebnis auch zwiespältig: Ich weiß jetzt, dass ich es im Notfall schaffen würde, mich “anständig” zu ernähren. Ich habe aber auch erfahren, dass das Ganze so knapp bemessen ist, dass ich alles daran setzen werde, nicht in die Lage zu kommen. Wobei man es eben nur versuchen kann, wirklich gefeit ist kaum einer, Hartz4 kann (außer Beamten und langgedienten Politikern) praktisch jeden treffen.
    Also: Bio geht, wenn man es unbedingt will und es in der Prioritätenliste bei einem ganz oben steht – und dann findet man in dem Buch sinnvolle Tipps und gute Rezepte. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.
    Ich wäre auch im Falle eines Falles nicht päpstlicher als der Papst, sondern würde mir schon mal erlauben, zuzugreifen, wenn ich woanders günstiges Gemüse finde. Nur bei Tierprodukten, wo es darum geht, Lebewesen ein artgerechtes Leben zuzubilligen, finde ich Kompromisse inakzeptabel. Es gibt kein Menschenrecht auf billiges Fleisch oder billige Eier.
    Zum Alkoholkonsum: Ich fand in der Aufstellung einen mit 10 Euro angesetzten Posten “Verpflegungsdienstleistungen”, den ich zum “Kneipenetat” erklärt habe. Aber Sie haben völlig recht: Ab und zu ein Glas Wein wär schon recht – und ist vom Etat nicht gedeckt. Nochmal: Ich verteidige nicht den H4-Satz ich versuche nur, mit der Realität zurechtzukommen.
    Zigaretten: Wer so wenig Geld hat und trotzdem raucht, der hat für mich nicht alle Tassen im Schrank. Genauso gut könnte man argumentieren, dass das Geld für den nötigen Schuss nicht reicht. (Pardon, hier spricht die Ex-Raucherin, sind ja bekanntlich die schlimmsten …)
    Herzlich, Rosa Wolff

  2. rotegruetze1 sagt:

    Der ehrliche Ansatz des Buches ist lobenswert. Er spiegelt wieder was in Deutschland so unter Einkaufen und Kochen verstanden wird. Unverständlich bleibt wie darauf Menschen so reagieren können, dass sie sagen der Regelsatz wäre viel Geld, denn im Buch ist im Mittelwert von einem Monat(5,05 – 4,66 – 5,55 – 4,55 – 5,69 – 4,02 – 4,33 – 3,99 – 4,33 – 3,3 – 3,98 – 2,66 – 3,9 – 4,25 – 4,22 – 2,97 – 5,35 – 4,35 – 3,28 – 8,19 – 4,97 – 4,85 – 4,11 – 4,35 – 5,07 – 5,99 – 4,19 – 3,59 – 3,76 – 6,24) die Meßlatte von 4,35 Euro mit dem Wert von ca. 4,52 Euro klar überschritten. Die Folge ist in dieser Abteilung nicht nur keine Rücklagen bilden zu können, sondern Rücklagen aus anderen Abteilungen des Regelsatzes für Nahrung auszugeben. Insofern halte ich den Selbstversuch für gescheitert. Wer dann noch ein Haustier durchfüttern muss oder Alkoholt- bzw. Zigarretten konsumiert, steht völlig auf dem Schlauch, denn ein Bier für 4,- Euro im Lokal ist hier offenbar nicht eingerechnet, wie es Seite 71 dokumentiert.
    Das Problem ist aber nicht, dass man aus anderen Abteilungen zubuttern muss, sondern, dass es quasi keine Abteilung gibt, die einem diese Möglichkeit gibt. Insofern muss weniger der Versuch gemacht werden “Arm aber Bio” und alle sonstigen Dinge beizubehalten, als eher “Arm aber nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (gesund) und ohne Drogerie oder Apotheke” sich zu ernähren “und diese Grundlage gesunder Ernährung in Relation zum Preis” zu stellen. Ist dieser Schritt gemacht (das geht leider nur mit einer Nährwerttabelle), dann klappt das auch mit dem Bioladen und kann der ARGE Kredite für das Vorstrecken der Gelder für Bewerbungen oder für Reisekosten von Vorstellungsgesprächen aus der Abteilung für Nahrungsmittel geben, die man nach einem halben Jahr wieder zurück bekommt.

    Schöne Grüße
    Stefan

  3. Sechzig-plus sagt:

    Zum Eintritt ins Rentenalter bin ich aus Angst vor Altersarmut von München nach Berlin gezogen. Auf Bio wollte ich auch mit kleiner Rente nicht verzichten und habe ganz ähnliche Erfahrungen gemacht wie Frau Wolf, ohne das Buch vorher gelesen zu haben. Meine wöchentliche Bio-Abokiste als Basis plus ein paar Dinge obenauf kostet nicht mehr als 30 bis 35 Euro pro Woche. Das Buch habe ich mir trotzdem vor ein paar Tagen gekauft, um noch ein paar Tricks zu lernen.

  4. Pauline sagt:

    War vorhin in der Lesung und hab das Buch schon durchgelesen…Wirklich sehr beeindruckend ;-)
    Was mir bisher überhaupt nicht bewußt war, war die Sache mit den mangelnden Kalorien. Aber logisch, wenn man sich auf Dauer zu kalorienarm ernährt wird man krank, egal wie gesund das Essen ist! Solche Probleme stellen sich uns armen Studenten eher weniger, weil wir schon immer mal wieder zum Essen eingeladen werden und auch mindestens einmal im Monat für ein Wochenende von Mutti durchgefüttert werden.

    Mir war auch bis heute nicht bewußt, wie lange und ausgiebig ich von den großzügigen Weihnachtsgeschenken meiner Tanten zehre – das steirische Kürbiskernöl und die Packung indische Currymischung sind immer noch halb voll obwohl sie oft benutzt werden.

    Mit solchen Zugaben können andere nicht rechnen, und ich weiß es nun wieder viel mehr zu schätzen.

    Ein Tipp gegen den Erdbeermangel: Man kann für wenig Geld (leider weiß ich nicht auswendig wie viel) auf Erdbeerfeldern bei Moosach selbst pflücken, macht Spaß und schmeckt herrlich.

  5. Die glückliche Bettina gehört zu den Leuten, die organisieren können. Beneidenswert!

  6. Bettina sagt:

    Nachdem ich den Titel des Buches gelesen habe, war ich sehr interessiert und bin so auf die Homepage gekommen.
    Was ich allerdings sehr “beeindruckend” fand ist der Hartz-IV-Satz von 4,35€/ Tag – das bedeutet ja 130,50€/ Monat, wenn er jetzt noch um 10€ angehoben wurde sind das 140,50€! Wahnsinn! Ich bin Studentin und ernähre mich seit Jahr nahezu ausschließlich mit Bio-Produkten (mind. 95%) und gebe Monatsdurchschnitt nicht so viel Geld aus. Und das obwohl ich auch mal eine Flasche Wein kaufe, auch mal eine Wurst oder tollen Käse – ich koche viel mit frischem Gemüse und esse auch viel frisches Obst und dennoch wären 140€ für mich eine deutliche Erhöhung – im letzten Jahr kam ich im Schnitt auf ca. 110€/Monat (ohne mich bewusst eingeschränkt zu haben) – es gibt so tolle Rezepte, die sich günstig aus Basiszutaten herstellen lassen und die den intensiven und natürlichen Geschmack der verschiedensten Lebensmittel hervorheben!

    Ehrlich gesagt habe ich mehr und mehr ein Problem mit dem “Gejammer” um das “wenige” Geld, das einem mit Hartz IV bleibt!

  7. admin sagt:

    Liebe Frau Palm, nur kurz wegen der Verbände: Bei der Beschreibung habe ich mich auf das gestützt, was die BÖLW (Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft) veröffentlicht hat. Die Unterschiede zwischen Bio und Bio sind offenbar beträchtlich. Ich werde aber nochmal genauer nachfragen. Vielleicht können wir ihre Sorgen ja zerstreuen! Herzlich, Rosa W.

  8. Alexandra Palm sagt:

    Ich habe herzlich gelacht bei der Lektüre des Buches und meinem Freund lange Passagen daraus vorgelesen. Wir sehen das Buch als tolle Anregung so viel Bio wie möglich zu verarbeiten. Uns sind aber auch die berüchtigten L.o.H.a.S. Werte wichtig, da verliert man schnell den Überblick: Gesund (bio) aber möglichst keine ökologischen Fussabdruck, artgerechte Tierhaltung, umsichtige Resourcenverwendung und das nicht nur beim Essen!
    Zu den Verbänden und Siegeln eine Frage: Das mit dem Dünger, sah bei näherer Recherche im Netz anders aus http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/OekologischerLandbau/EGOekoVOAnhang1.html?nn=309814
    Der Artikel dazu im Buch hatte mich sehr beunruhigt. Ich würde mich freuen zu erfahren, wie das sich wirklich verhält. Ich möchte kein Gemüse essen, was mit Vogelmist aus Käfighaltung gedüngt wurde!

  9. Rosa Wolf sagt:

    Zum “Wonnemonat Mai” ist zu sagen, dass ausgerechnet der sich als besonders mühsam entpuppt hat: Einheimische Äpfel gibt es kaum noch und wenn, dann haben sie ihre besten Tage längst hinter sich. Anderes typisches Winterobst wie Orangen oder Mandarinen gibt es ebenfalls kaum mehr da und wenn, dann teuer und von mäßiger Qualität. Andererseits ist noch wenig Neues da, höchsten Spargel und Erdbeeren – fast unbezahlbar, wenn man knapp bei Kasse ist.
    Worüber ich mich freue und worauf ich richtig stolz bin: dass ich Sie mit dem Buch in einen Bioladen gelockt habe! Herzlich, Rosa Wolff

  10. Gutes Buch, habe es meiner Frau für Donnerstag bei http://www.buecher.de bestellt.

  11. Kundenbewertungen zu “Arm aber Bio!” von “Rosa Wolff”Durchschnittliche Kundenbewertung (aus 1 Bewertungen): gut
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    Buch ist witzig geschrieben und daher als Unterhaltungslektüre zu empfehlen. Dabei hätte eine zweite Korrekturleserin dem Werk sicher gut getan.

    Manchmal hat man den Eindruck, dass die Tipps etwas planlos entstanden sind – möglicherweise aber ist das von der Autorin Rosa Wolff beabsichtigt. Ein einziger Monat – noch dazu der Wonnemonat Mai – scheint mir etwas zu kurz für einen richtigen Feldversuch zu sein. Als Sachbuch ist – arm, aber bio – also nicht unbedingt ernst zu nehmen.

    Trotzdem ist es lesenswert, vor allem, weil es zum Nachdenken anregt und die Autorin sehr offen und mutig ist…

    .. und zumindest mich zum ersten Mal in einen Bioladen geführt hat.

  12. Kehrtraud sagt:

    In einem Rutsch durchgelesen. Spricht mich sehr an. Deswegen gab es heute Mittag auch bloß Toast (Dinkel-Hirse vom Fritz) mit Butter und Rettichsprossen.

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